Der Forschungsverbund Gesundheit in Gesellschaft eröffnete seine gleichnamige erste Ringvorlesung mit einem Abend zum Thema Contrasting US and European Perspectives on Health.
In ihrer Keynote BioSocial Futures legte die renommierte Medizinanthropologin Helena Hansen von der UCLA dar, dass die sozialen Verhältnisse, in denen Menschen leben, zusammen mit ihrer biologischen Veranlagung ein bio-soziales Gesamtsystem bilden. Gesundheitsforschung sollte sich daher nicht auf die mikrobiologischen Merkmale von Individuen beschränken, sondern auch die soziale Verfasstheit von Gesundheit berücksichtigen und bearbeiten.
Denn es funktioniert: Beispiele von Nachbarschaftsgärten, kollektiven Kunstprojekten und gemeinschaftlicher Gesundheitsversorgung illustrierten, dass soziale Maßnahmen durchaus als „Technologien“ verstanden werden können, deren Wirksamkeit ebenso dokumentiert, überprüfbar und planbar ist wie der Einsatz von Medikamenten und Biotechnologie.
„Wir brauchen ein weniger mechanistisches, organischeres Verständnis des biosozialen Aspekts der menschlichen Gesundheit“, forderte Hansen. „Unser Fokus sollte auf Beziehungen liegen, auf ökologischer Interdependenz, die sowohl sozial als auch biologisch ist, auf Beziehungen, die in den besten Momenten symbiotisch sind. Das Verständnis davon, wie diese Beziehungen die menschliche Biologie prägen, ist ein aufstrebendes Feld, das ich bio-soziale Forschung nenne.“